Kinder auf einer Beerdigung – ein Plädoyer dafür
Der Tod gehört zum Leben – ein Satz, der so oft gesagt wird und doch so schwer umzusetzen ist, wenn es um unsere Kinder geht. Der tiefe Wunsch, Kinder vor Schmerz zu bewahren, ist absolut menschlich. Doch oft verpassen wir dabei die Chance, ihnen beizubringen, wie man Abschied nimmt.
Ein Plädoyer dafür, Kinder als Teil der Trauergemeinschaft willkommen zu heißen.
Abschied ist ein Familienrecht
Kinder haben eine feine Antenne für Atmosphäre. Wenn die Erwachsenen flüstern, weinen und plötzlich verschwinden, um an einem „geheimnisvollen“ Ort Abschied zu nehmen, entstehen oft Ängste, die weitaus bedrohlicher sind als die Realität einer Beerdigung.
Indem wir Kinder mitnehmen, signalisieren wir ihnen: „Du gehörst dazu. Auch wenn es traurig ist, lassen wir dich nicht allein.“ Die Beerdigung hilft, das Unbegreifliche – dass ein Mensch nicht mehr wiederkommt – begreifbar zu machen.
Argumente für die Teilnahme der Kinder an einer Beerdigung
Kinder denken oft konkret. Das Ritual am Grab, die Blumen und die Musik helfen ihnen zu verstehen, dass der Tod endgültig ist. Ohne diesen Abschluss bleibt der Verlust oft abstrakt und schwerer zu verarbeiten. Die kindliche Phantasie füllt Lücken oft mit Schreckensszenarien. Die Realität einer friedlichen Trauerfeier ist meist weit weniger beängstigend als das, was sich ein Kind im stillen Kämmerlein ausmalt.
Zu sehen, dass auch Erwachsene weinen und sich gegenseitig stützen, ist wichtiger Unterricht in emotionaler Intelligenz. Das Kind lernt: Trauer ist erlaubt und man trägt sie gemeinsam.
Kinder können aktiv teilnehmen, indem sie ein Bild malen, einen Stein bemalen oder eine Blume ins Grab werfen. Das gibt ihnen das Gefühl, etwas bewegen zu können in einer Situation der Hilflosigkeit.
Was könnte gegen Kinder bei einer Beerdigung sprechen?
Trotz dieser Argumente stellen sich Eltern immer wieder die Frage, ob Kinder auf einer Beerdigung richtig aufgehoben sind. Wenn die Eltern selbst so tief in ihrer Trauer versunken sind, dass sie keine emotionale Kapazität für die Fragen und Bedürfnisse des Kindes haben, kann die Situation für beide belastend sein. Auch ein sehr unruhiges oder schreiendes Kind könnte (aus Sicht mancher Trauergäste) die Stille und Konzentration stören, was bei den Eltern zusätzlichen Stress erzeugt. Wenn die Trauerfeier sehr dramatisch verläuft (z. B. lautes Klagen), könnte dies ein jüngeres Kind verstören. Auch diese Argumente wollen gut abgewogen sein, unserer Erfahrung nach aber immer aus dem Blickwinkel, dass die Kinder möglichst dabei sein sollten.
Hilfreiche Kriterien für die Entscheidung
Ob ein Kind dabei sein sollte, ist keine Frage des Alters, sondern der Vorbereitung und Begleitung. Wir haben einige Kriterien zusammengestellt.
| Freiwilligkeit | Ein Kind sollte niemals gezwungen werden. Erkläre den Ablauf und lass das Kind (je nach Alter) mitentscheiden. |
| Begleitperson | Ideal ist eine vertraute Person (z. B. ein Babysitter oder ein entfernter Verwandter), die nicht direkt von der Trauer betroffen ist und mit dem Kind weggehen kann, wenn es ihm zu viel wird. |
| Aufklärung | Erkläre vorher genau, was passiert. |
| Nachbereitung | Plane Zeit ein, um nach der Feier über die Eindrücke und Fragen des Kindes zu sprechen. |
Ein wichtiger Gedanke: Kinder trauern anders – oft sprunghaft, wie in „Pfützen“. In einem Moment weinen sie, im nächsten wollen sie spielen. Das ist gesund und völlig in Ordnung.
Wie erklären wir Kindern den Tod?
Wenn wir Kindern den Tod erklären, hilft es, sachlich, aber warmherzig zu bleiben und keine gruseligen Metaphern zu verwenden (wie „er schläft nur“, da das Kind sonst Angst vor dem Einschlafen bekommen könnte).
Wir haben einen Text formuliert, der Eltern oder Angehörigen eine Hilfe bieten soll, mit Kindern über Tod und Beerdigung zu sprechen.
Was passiert eigentlich bei einer Beerdigung?
Stell dir vor, eine Beerdigung ist wie ein großes, gemeinsames „Tschüss-Sagen“. Wenn ein Mensch gestorben ist, funktioniert sein Körper nicht mehr. Er kann nicht mehr atmen, nicht mehr lachen und er spürt auch keine Schmerzen mehr. Weil der Körper jetzt wie eine leere Hülle ist, geben wir ihm einen besonderen Platz.
- Die Kapelle oder Feierhalle
Zuerst treffen sich alle Freunde und die Familie in einem schönen Raum auf dem Friedhof. Vorne steht meistens ein Sarg aus Holz oder eine Urne (das ist ein schönes Gefäß für die Asche). Darin liegt der Körper des Verstorbenen ganz friedlich. Es wird Musik gespielt, die der Mensch gerne mochte. Jemand hält eine Rede und erzählt Geschichten darüber, was derjenige alles Tolles erlebt hat. Manchmal lachen die Leute sogar kurz über eine lustige Erinnerung, auch wenn sie eigentlich traurig sind.
- Der Weg zum Grab
Nach der Feier tragen einige Menschen den Sarg nach draußen auf den Friedhof. Alle anderen gehen ganz langsam hinterher. Das ist wie eine letzte gemeinsame Reise.
- Am Grab
Dort gibt es ein Loch in der Erde, das mit weichen Zweigen oder Blumen ausgelegt ist. Der Sarg wird vorsichtig hineingelassen. Das sieht vielleicht erst mal komisch aus, aber es bedeutet: Hier findet der Körper jetzt seine Ruhe, wie in einem gemütlichen Bett unter der Erde.
Jetzt darf jeder etwas zum Abschied tun. Viele werfen eine Handvoll Sand oder bunte Blumen in das Grab. Das ist wie ein letzter Gruß. Wenn du magst, kannst du auch ein gemaltes Bild oder einen schönen Stein mit hineingeben.
- Das Beisammensein danach
Nachdem wir am Grab waren, gehen die Erwachsenen oft zusammen Kaffee trinken oder Kuchen essen. Das klingt erst mal komisch, oder? Aber es ist wichtig, weil man sich dann gegenseitig tröstet. Man merkt: „Ich bin mit meiner Traurigkeit nicht allein.“
Ein paar Dinge, die du wissen solltest
Tränen sind okay: Du wirst viele Erwachsene sehen, die weinen. Das ist nicht schlimm. Es zeigt nur, wie lieb sie den Menschen hatten.
Du darfst spielen: Wenn es dir zu langweilig oder zu traurig wird, ist das okay. Kinder trauern anders als Erwachsene. Du darfst danach auch wieder spielen und lachen.
Fragen ist erlaubt: Du kannst alles fragen, was dir komisch vorkommt. Es gibt keine „falschen“ Fragen.



